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Montag, 26.08.2019 13:16 Alter: 82 Tage

Gymnasium am Stefansberg unterstützt Patenkind in Indien


28 Schüler einer achten Klasse des Merziger Gymnasiums am Stefansberg sind durchaus stolz, denn sie haben ein eigenes Patenkind in Indien, das sie unterstützen. Auf die Idee, sich in Indien zu engagieren, sind die Schüler während des Religionsunterrichts gekommen. Sie haben sich mit dem Thema Hinduismus beschäftigt und dabei auch vieles über die Lebensverhältnisse in Indien erfahren. „Wir wussten zwar, dass viele arme Menschen in Indien leben, aber dass es so extrem ist und viele noch nicht mal 50 Euro im Monat zur Verfügung haben, hat uns wirklich schockiert. Deshalb haben wir uns zum Ziel gesetzt, dort zu helfen.“, erzählt Aaron Engel von den ersten Überlegungen. Gemeinsam mit ihrem Religionslehrer Markus Braun haben die Schüler recherchiert und sind dabei auf den Förderverein „Indienhilfe Saar e.V.“ gestoßen, mit dem sie seitdem zusammenarbeiten. „Wir unterstützen in Indien etwa 500 Studenten und versuchen ständig, neue Partnerschaften zu finden.“, berichtet Susanne Limbach, die Vorsitzenden des Fördervereins, von ihrer täglichen Arbeit: „Wir besuchen die Familien vor Ort, um uns ein Bild zu machen, und entscheiden dann, wem wir helfen.“ Als Patenkind für die Achtklässler des Gymnasiums am Stefansberg fiel die Wahl auf J. Gattlin Jude. „Der Junge ist 14 Jahre alt, also etwa im gleichen Alter wie die Schüler. Sein Vater arbeitet in einer Metallfabrik und verdient dort 6 Euro am Tag, seine Mutter ist arbeitslos, engagiert sich aber in der Lebenshilfe. Gattlin hat noch einen vierjährigen Bruder, die Familien lebt in einem Mietshaus.“, beschreibt Susanne Limbach die Lebensumstände der Familien in Indien und ergänzt: „Da es in der Familien gesundheitliche Probleme gibt, musste sie einen Kredit aufnehmen, um die medizinische Versorgung zu gewährleisten und hat jetzt 6000 Euro Schulden. “Um Gattlin zu unterstützen, haben die Merziger Schüler Spenden gesammelt. Sie sind von Haus zu Haus gegangen und haben den Menschen von ihrem Patenkind erzählt. Die Erfahrungen, die die Mädchen und Jungen dabei gemacht haben, waren durchweg positiv. „Eigentlich hat es wirklich Spaß gemacht. Die meisten Menschen waren sehr freundlich, haben uns zugehört und auch nachgefragt.“, erinnert sich Sophia Hoffmann gerne an die Sammelaktion zurück. Und auch Mitschülerin Linda Ade war von der Hilfsbereitschaft der Merziger begeistert: „Wir haben eine Frau getroffen, die selbst schon drei Patenkinder in Indien hat und trotzdem hat sie uns noch Geld für unser Patenkind gegeben.“ „Die meisten wollten nicht mal unseren Ausweis von der Schule sehen, sondern haben uns vertraut und waren spontan bereit zu helfen.“, hat auch Tim Buchholz viel Positives erlebt. Am Ende ist es den Schülern gelungen, 700 Euro für ihr Patenkind zu sammeln. Dank dieser finanziellen Hilfe kann Gattlin trotz der schwierigen Lage seiner Familie eine englische Mittelschule in Indien besuchen. Er geht dort wie seine Unterstützer aus Merzig in die achte Klasse. Von dem Geld aus dem Saarland bekommt er jeden Monat 20 Euro für Schulbedarf und Essen. Um die Spende entgegenzunehmen, hat extra ein indischer Priester das Gymnasium am Stefansberg besucht. Pater J.R. Jean Jose kommt aus Marthandam in Südindien, wo auch das Patenkind der Klasse lebt, und steht im täglichen Kontakt mit der Diözese dort, in der er selbst lange Priester war. Auch Gattlin kennt er persönlich und auch die Schule, in die er geht: „Die Lehrer sagen, er sei ein sehr netter Schüler. Sein Traum ist es, Wissenschaftler zu werden und die Gesellschaft zu verbessern. Durch die Unterstützung hat er die Chance, zu studieren und später seinen Eltern mit dem Geld, das er verdient, zu helfen, ihre Schulden abzuzahlen.“ Bis dahin ist noch ein weiter Weg, aber Pater J.R. Jean Jose ist überzeugt, dass Gattlin sein Ziel erreicht. Der Pater selbst ist derzeit zur Ausbildung in Deutschland, macht hier einen Sprachkurs und absolviert ein berufsbegleitendes Promotionsstudium in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Und natürlich nutzt er seinen Aufenthalt in Deutschland, um Kontakte zu knüpfen und weitere Hilfen zu initiieren. „Ich wollte Deutschland gerne kennenlernen. Schließlich habe ich seit zehn Jahren persönliche Kontakte hierher.“, erzählt der Priester, der in Rom Theologie studiert hat. Auch wenn es ihm in Deutschland wirklich gut gefällt, will er nach seinem Abschluss unbedingt zurück in seine Diözese in Indien: „Die Strukturen dort sind für indische Verhältnisse perfekt und es gibt viel zu tun. Wir kümmern uns nicht nur um Hindus, sondern auch um Moslems oder Andersgläubige. Unsere Ziele sind es, Bildung, Erziehung und soziale Entwicklung zu verbessern, die Rolle der Frau zu stärken - dafür gibt es extra Mädchenförderprogramme -, und ein Bewusstsein für Gesundheitsprävention zu schaffen.“ Pater J.R. Jean Jose hat also mit der Unterstützung aus Deutschland noch einiges vor in Indien und freut sich auch schon auf ein Wiedersehen mit Gattlin. Aber auch die Achtklässler des Gymnasiums am Stefansberg können den Weg ihres Patenkindes mitverfolgen, sie haben mit Gattlin nämlich eine Brieffreundschaft geschlossen und sind im regen Austausch mit ihm.

So kam pünktlich zum Beginn des neuen Schuljahres Post aus Indien: Gattlin Jude bedankt sich in dem Brief herzlich bei den Schüler/innen für die Hilfe. Vom gesammelten Spendenbetrag hat er bereits für die ersten drei Monate finanzielle Unterstützung bekommen, sodass er die Schule in Marthandam besuchen kann. Er wünscht allen ein schönes und erfolgreiches Schuljahr und freut sich auf eine Antwort aus Merzig, die bald folgen wird.

 

Kontakt: www.indienhilfe-saar.deoder indienhilfesaar.@gmail.com